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Dr. Schuster im Interview mit der Kassenärztlichen Vereinigung

Geschrieben in Aktuelles > Allgemeinmedizin am
Die Arbeits- und Lebenssituation der Niedergelassenen stellt die „Traumberufe“ Arzt und Psychotherapeut immer mehr in Frage. Sagen Sie uns in unserer Rubrik „10 Minuten am Telefon mit ...“, was sich in Ihrem Bereich verändert hat. Was erwarten Sie für die Zukunft? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie? Für diese Ausgabe sprachen wir mit Dr. Armin Schuster (46), Hausarzt aus Münster und außerdem 1. Vorsitzender des Hausärzteverbundes Münster (HVM).

Wie erleben Sie gegenwärtig Ihren Beruf?

Schuster: Ich habe mich schon sehr früh im Studium festgelegt, dass ich Hausarzt werden möchte und habe meine Entscheidung nie bereut. Natürlich hat sich vieles auf dem Gebiet des Niedergelassenen geändert. Die Bürokratie wurde mehr. Unternehmerisches Handeln wurde immer wichtiger. Aber nach wie vor steht die Arbeit mit dem Patienten klar im Vordergrund. Als Mitglied einer Drei-Hausarzt-Praxis war mir Kooperation von jeher sehr wichtig. In meiner Funktion als Vorsitzender des Hausärzteverbundes Münster (HVM) sehe ich, dass wir nur durch ein verbessertes gemeinsames Auftreten in dem rauer werdenden Gesundheitsmarkt bestehen können. Sind wir dazu bereit und planen dies offensiv, dann können wir Ärzte auch gestärkt aus diesem Wandlungsprozess heraustreten.

Was sind Ihrer Meinung nach generell die Hauptursachen für die Unzufriedenheit vieler Ärzte?

Schuster: Zehn bis 15 Euro pro Monat und Patient stellen angesichts der wachsenden Arbeit keine gerechte Bezahlung dar. Man muss schon reichlich Patienten versorgen, um damit ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Die wachsende Unzufriedenheit der letzten Jahre entstand aber meiner Ansicht nach vor allem durch die ungerechte Verteilung und die mangelnde Transparenz des bestehenden Systems. Niemand in Westfalen-Lippe ist bereit zu akzeptieren, dass in anderen Landesteilen deutlich mehr Geld verdient werden kann. Und wenn uns dann nicht plausibel erklärt wird, welche Gründe dafür verantwortlich sind, wächst logischerweise der Unmut. Dazu kommt eine zunehmende Bürokratie, die von Politik und Krankenkassen forciert wird.

Und was beeinträchtigt Sie ganz persönlich?

Schuster: Die ersten Jahre meiner Niederlassung waren geprägt durch das Hamsterrad. Dann folgten Jahre relativer Stabilität. Allerdings konnte man sich kaum gegen den Eindruck wehren, dass man immer mehr arbeitete, ohne dass der Gewinn stieg. Nach den neuesten Hochrechnungen gehöre ich zu den Verlierern der Reform 2009. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Veränderungen, unter anderem durch gesetzliche Rahmenänderungen. Hier wollte ich nicht nur als stiller Beobachter zuschauen. Um die ärztliche (insbesondere hausärztliche) Position in Münster zu stärken, gründeten wir 2005 den HVM. Es gelang uns, Kooperationen mit Fachärzten und Krankenhäusern aufzubauen. Gemeinsames Qualitätsmanagement und eine EDV-Vernetzung aller Ebenen sind unsere derzeitigen Aufgaben. Wir wollen gerüstet sein, um unsere Einzel- und Gemeinschaftspraxen zu erhalten und die Zusammenarbeit verbessern können.

Können Sie heute Ihre in der gesetzlichen Krankenkasse versicherten Patienten so behandeln, wie Sie es für medizinisch korrekt erachten?

Schuster: Das kommt sicherlich ein wenig darauf an, wie ich selbst korrekt definiere. Ich kann meine Patienten auf jeden Fall ausreichend behandeln. Ich halte auch nichts davon, die Behandlung zu rationieren und finde es fatal, wenn Patienten unter den knappen Mitteln leiden oder finanziell geschröpft werden. Der Patient muss für uns immer im Mittelpunkt stehen. Er ist nicht Schuld an der Misere. Nicht möglich ist es, dem Patienten die individuellen Wünsche zu erfüllen. Auch Präventionsleistungen werden nicht ausreichend bezahlt. Ich hoffe, dass die so wichtige Vorbeugung von Krankheiten zukünftig mehr gefördert wird.

Ihre Einschätzung: Wird es in zehn Jahren noch KVen geben und wenn ja, welche Aufgaben übernähmen diese dann?

Schuster: Ich bin kein Gegner des KV-Systems. Die Leistungen der KVWL haben es uns Ärzten aber zuletzt nicht leicht gemacht, an dem System festzuhalten. Dies ist auch der Grund, dass der Hausärzteverband Westfalen eine starke Unterstützung, auch im HVM, erfahren hat. Aber die massive Gegenwehr der Krankenkassen beim HÄ-Vertrag zeigt, wie schwer eine bessere Bezahlung durchzusetzen ist. Wünschenswert wäre, dass von außen wirkende Kräfte es nicht schaffen, die Ärzteschaft weiter auseinander zu treiben. Dies sollte auch die Aufgabe der KV sein, neben Bereichen wie Abrechnung und Verwaltung.

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Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe: Kurzinterview: 10 Minuten am Telefon mit … Standpunkt, 4/2009, http://www.kvwl.de/magazine/standpunkt/pdf/sp_2009_4.pdf#28, Abrufdatum 18.09.2009.

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